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 09/2009 |
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Warum bin ich Programmierer geworden?
Im Unterschied zur menschlichen Sprache taugt eine Programmiersprache nicht dazu, Halb- oder Teilwahrheiten zu beschreiben, was schlicht daran liegt, daß ein Computer binär strukturiert ist. Die wirkliche Welt ist nicht binär strukturiert, sondern analog, weshalb eine Programmiersprache in einem interessanten Kontrast zur menschlichen Sprache steht. Das empfinden viele Menschen als reizvoll, ich ebenfalls.
Wie in jeder Sprache, gibt es auch bei Programmier- sprachen unendlich viele Möglichkeiten, wie man eine Sache beschreiben kann. Dies führt dazu, daß Programmieren niemals langweilig wird. Im Gegenteil, ein guter Programmierer ist ein Künstler: Er setzt sich an den Rechner und läßt vor seinem inneren Auge unablässig bunte geometrische Figuren entstehen und wieder verschwinden. Wenn er eine Lösung gefunden hat, nimmt er seine Tastatur und macht seine Gedanken für andere sichtbar. Seine Arbeit ist nur von Logik und Vorstellungskraft eingeschränkt.
Was uns von den Tieren unterscheidet, ist die Fähigkeit, abstrakt zu denken und was gibt es Abstrakteres, als zu Programmieren? Daraus folgt, dass kaum eine andere Tätigkeit soviele Aspekte des menschlichen Daseins wiederspiegelt, wie das Programmieren.
Warum gerade Internetprogrammierer?
Ganz ehrlich: Wenn jemand von sich behauptet, daß er alle wichtigen Programmiersprachen, alle wichtigen Protokolle und gleichzeitig auch noch alle wichtigen Betriebssysteme im Schlaf beherrscht, ist er entweder ein Idiot Savant (genialer Authist) oder eben ein Idiot Non Savant (kein Authist). Weil ich weder das eine noch das andere bin, aber dennoch professionell sein möchte, habe auch ich mich auf ein paar Kernkompetenzen festgelegt.
Wegen meiner kaufmännischer Ausbildung konzentrierte ich mich zunächst auf Datenbank-Anbindungen. Mein Spezialgebiet waren Import/ Export- Schnittstellen und natürlich Replikationen in allen möglichen und unmöglichen Variationen. Meine Werkzeuge waren Visual Basic, Access und Excel. Später war ich als ABAP- Programmierer resp. SAP-Berater unterwegs. Meine Funktion war die eines hoffnungslos überteuerten Feuerlöschers, und so habe ich mich auch gefühlt.
Als ich eines Tages instinktiv das "Bitte nicht stören"-Schild an die Haustürklinke hängen wollte, und für einen selten gewordenen Kino-Besuch eine Krawatte aus dem Schrank holen wollte, wurde mir klar, wie sehr ich das wirkliche Leben vermisse. Und so beschloss ich, mich neu zu orientieren. Weil ich schon immer vom Medium Internet fasziniert war, beschloss ich von nun an nur noch Sweatshirts zu tragen und Internet-Profi zu werden. Das war eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe.
Was man sonst noch über mich wissen sollte ...
Vielleicht interessiert es ja jemanden, daß ich in mehreren Ländern aufgewachsen bin. Um genau zu sein, in Frankreich, Deutschland und in der Schweiz. Von der Abstammung her habe ich von allen drei Ländern etwas. Wenn mich jemand nach meiner Staatsan- gehörigkeit fragt, lautet die Antwort: ich bin Europäer, wenn auch ein überzeugt föderalistischer.
Als Europäer kann ich mich in 5 Sprachen einiger- maßen verständlich machen, was heutzutage wohl nicht so ungewöhnlich ist, auch wenn ich selbst nicht gern reise. Schriftlich beschränke ich mich allerdings auf deutsch und englisch, mehr möchte ich Ihnen nicht zumuten.
In meiner Branche ist es etwas besonderes, wenn man nicht atheistisch ist. Tatsächlich können viele nicht verstehen, wie ein zutiefst logisch denkender Mensch, wie ich es zu sein gedenke, an eine göttliche Instanz glauben kann und schon gar nicht an eine christliche. - Umgekehrt kann ich nicht verstehen, wie man in einer Welt Atheist bleiben kann, in welcher der Mensch ganz offenkundig nicht in den evolutionären Determinismus der Natur hineinpasst. Das ist sicherlich einer der Hauptgründe, weshalb ich metaphysisches Gedankengut kultiviere, wenn auch nicht wirklich im klassisch religiösen Sinn. Nicht, dass das für Sie in irgendeiner Art und Weise wichtig wäre. Ich erwähne das nur, weil mir dieser Überzeugung ein altruistischer Kodex verbunden ist, dessen Einhaltung für Sie durchaus vorteilhaft sein könnte.
06/2006 jw..
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