Intra-, Extra- und Internet - Was ist das?

Technisch gesehen handelt es sich bei Intra-, Extra- und Internets um gewöhnliche Internet-Auftritte, die auf gewöhnliche Webserver gespeichert sind. Der Unterschied besteht darin, wer darauf zugreifen kann und darf.

Ein Intranet-Server steht meist in einer Firma, wo nur jene Benutzer darauf zugreifen können, die an das Firmen-Netz angeschlossen sind. Ein Extranet dagegen steht im öffentlichen Internet, die Seiten sind jedoch mit einem Login/Passwort geschützt. Wären diese Seiten nicht geschützt, würde man von einem normalen Internet-Auftritt sprechen.

Wenn man allgemein von Intra-, Extra- und Internet spricht, geht es in der Regel weniger um die Technologie, die hinter diesen Begriffen steckt, sondern vielmehr um die Optimierung betrieblicher Arbeitsabläufe unter Ausnutzung der technischen Möglichkeiten, die das Internet bietet.

Wenn ich also Intra-, Extra- und Internets verkaufe, besteht meine Dienstleistung hauptsächlich darin, betriebliche Prozesse mit Hilfe des Medium Internets zu optimieren.

Wie das konkret aussehen kann, wird auf den nachfolgenden Seiten erklärt.

Schwachstelle System

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Buchladen und möchten Ihre Bücher über einen einfachen Internetshop in den deutschsprachigen Ländern vertreiben. Das hört sich einfach an, finden Sie nicht?

Zunächst einmal stellen Sie fest, daß Sie wegen den unterschiedlichen Vertriebsrechten gar nicht jedes Buch in jedem Land vertreiben dürfen. Und dann ist da noch die Sache mit den unterschiedlichen Währungen und der Mehrwertsteuer, die in jedem Land unterschiedlich ausgewiesen werden müssen. Abgesehen davon kosten die Bücher auch nicht in jedem Land gleich viel. Dann sind da noch die verschiedenen Versandkosten und natürlich wäre es sinnvoll, wenn nur jene Bücher aufgeführt werden, die Sie auch an Lager haben. - Sie merken, da kommt eine Menge auf Sie zu.

Ob Sie es mir glauben, oder nicht, es gibt für diese spezielle Anforderung auf dem Markt keine Lösung, die wirtschaftlich sinnvoll genannt werden könnte. Wenn Sie mir nicht glauben, googlen Sie ein wenig: Sie werden feststellen, daß die meisten deutschsprachigen Buchhandlungen, die in mehreren Ländern tätig sind, für jedes Land tatsächlich einen eigenen Shop betreiben. Der Grund dafür liegt im System. Wenn Sie also via Internet international Bücher verkaufen wollen, ist es rentabler, mehrere kleinere Shops zu betreiben, als einen großen.

Schwachstelle Komplexität

Bill Gates schrieb in seinem Buch "Digitales Business", daß die EDV generell dazu einsetzt wird, menschliche Arbeitsabläufe in den Betrieben zu ersetzen. Das eigentliche Ziel sollte es aber sein, daß betriebliche Arbeitsabläufe an die Fähigkeiten der Computer angepasst werden. Weil Computer ungleich schneller arbeiten, als Menschen, wären die wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen sehr umfassend.

Was Gates erkannt hat, ist nicht neu. In absehbarer Zeit stehen in der IT-Branche zweifellos tiefgreifende Veränderungen bevor. Meiner Meinung nach wird das aber nicht ganz so schnell gehen, wie von Gates prognostiziert. Ein Hinweis darauf findet man z.B. in der Automobil-Industrie, welche immer noch veraltete Verbrennermotoren herstellt, obwohl es schon längst Alternativen gibt. Aus demselben Grund funktioniert das Internet heute noch mit dem inzwischen hoffnungslos veralteten Protokoll HTTP. Ganz offensichtlich ist es den Menschen ab einem bestimmten Komplexitätsgrad gleichgültig, wie eine Sache funktioniert, solange sie funktioniert. Daraus folgt, daß es sinnvoll ist, die Komplexität eines vernetzten Systems stets auf ein Minimum zu halten. Ein Projekt sollte niemals komplexer werden, als es von einem einzigen durchschnittlich inteligenten Projektleiter begriffen werden könnte.

Schwachstelle Mensch

Der Mensch stellt nicht nur die größte potentielle Fehlerquelle dar, er funktioniert zudem analog. Computer sind binär aufgebaut und können deshalb analoge Problemstellungen nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand bewältigen. Das bedeutet, Computer eignen sich von Natur aus nur bedingt dazu, um menschliche Fehler zu kompensieren. Aus diesem Grund müssen wir deterministisch vorgehen:

Das bedeutet, wir müssen versuchen, betriebliche Prozesse auf eine Weise abzubilden, daß sich die Schnittstellen zum Menschen überlappen. Kritische Abläufe erfolgen absichtlich doppelt oder werden kontextbezogen um entsprechende Controlling-Funktionen erweitert. Ständig wiederkehrende Abläufe werden zentralisiert, klar abgrenzbare Bereiche werden funktionell gekappselt. Das System hält sich damit selbst in Funktion und der anfallende Wartungsaufwand kann auf ein Minimum reduziert werden.

Es gibt noch ein weiteres wichtiges Argument für eine deterministische Vorgehensweise.

Schwachstelle Netz

Je vernetzter ein System ist, desto komplexer und heterogener wird es. Das bedeutet, einzelne Problemstellungen werden isoliert vom Gesamtsystem betrachtet und gelöst, was in den meisten Fällen natürlich sinnvoll ist. Aber weil solche Systeme von Menschen erbaut worden sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Standarts unterschiedlich verstanden werden. Im Extremfall kann das zu Dialektbildung in den Protokollen führen. Das kann jeder bestätigen, der sich schon mal ernsthaft mit ERP, SOAP, Webservices und ähnlichen Schnittstellen beschäftigt hat. Derartige Verständigungsschwierigkeiten können vernetzte Systeme mitunter komplett zum Stillstand bringen.

Aus diesem Grund macht es Sinn, auch dann deterministische Kontroll-Mechanismen einzuführen, wenn es um die Kommunikation zwischen einzelne Computer-Systemen geht. Das bedeutet es macht Sinn, auch reine EDV-Prozesse umfassend zu validieren. Auch das geschieht z.B. über den Weg von redundanten Erfassungen, kontextbezogene Kontroll-Mechanismen und nicht zuletzt durch zusätzliche Controlling-Schnittstellen für Menschen.

Beispiel Internet-Auftritt

Internet-Auftritte sind genauso lebendig, wie die Menschen, die dahinter stehen. So ist ein gut gepflegter Auftritt einem ständigen Wachstum unterworfen. Dies betrifft nicht nur die Inhalte, sondern auch die Technik. Wenn dieser Wachstum nicht gezielt gesteuert wird, können sich die Probleme progressiv anhäufen.

Oft versinkt der Internet-Auftritt in einem Chaos und muss dann kostenintensiv rundumerneuert werden. Manchmal entsteht ein undurchsichtiges prorietäres System, welches nur noch von wenigen Mitarbeitern verstanden wird. Und sehr oft muss man Kompromisse eingehen, die gar nicht notwendig wären, wenn man anfangs auf bestimmte Umstände geachtet hätte. All dies kann vermieden werden, wenn man zukunftsorientiert arbeitet und sich an bestimmte Regeln hält. Der dazu notwendige Mehraufwand ist im Vergleich zum möglichen Schaden minimal.

Regelwerk

Wenn Sie sich bei der Realisierung von vernetzten Systemen an folgende Regeln halten, werden Ihnen viele Probleme erspart bleiben:

  • Auch wenn Sie nicht Projektleiter sind, behalten Sie stets den Überblick über ihren Teilbereich des Systems.
  • Brechen Sie betriebsinterne Prozesse stets auf den kleinsten gemeinsammen Nenner herunter. Vermeiden Sie dabei proprietäre Abläufe.
  • Zentralisieren Sie nur, wo es Sinn macht. Verteilen Sie Subsysteme möglichst topologisch zu den Anwendern.
  • Planen Sie deterministische Kontroll-Mechanismen im vorraus.
  • Definieren Sie stets klar abgrenzbare Comunities, keine gemischten Comunities zulassen. (Zugriffsrechte, Rollen, Administratoren, Redakteure, etc.)
  • Setzen Sie verbreitete und bewährte Technologien ein, verwenden Sie nur bekannte und möglichst vielseitige Schnittstellen (XML, SOAP, RSS, ERP, etc.).
  • Achten Sie auf Skalierbarkeit und auf das Synergie-Potential der einzelnen Subsysteme, auch wenn Sie nicht darauf angewiesen sind.

06/06 jw..